Kontext

Draußen reges Geregne, drinnen Fleet Foxes, Lemon Jelly und gemütliches Herumlungern im Wohnzimmer. Ob der Kamin wohl funktioniert?

Aber endlich mal Zeit für eine Gedankenreise zum Thema Kontext. Verfolgt mich ja schon seit längerem, da was drüber schreiben zu wollen.

Kontext

Ich weiß ja längst nicht mehr alle Gründe, die mich dazu bewogen haben nach England zu gehen – aber die ersten paar Wochen waren seltsam, weil man doch ziemlich in sich aufräumen muss, und sich selbst neu kennenlernt. Denn das ist es, was mit einem passiert, wenn man aus seinem üblichen Umfeld oder Kontext gerissen wird: Man lernt vieles über die neue Kultur, in der man sich befindet – aber man lernt noch viel mehr über die Eigene. Die erste Zeit ist man ständig damit beschäftigt, alles neu erlebte mit dem bisher gekannten zu vergleichen und in Relation zu bringen.  Mit dem ständigen Ziel, ob explizit ausgesprochen oder nicht, die besten Dinge aus beiden Umgebungen zu behalten und auf den Lebensweg mitzunehmen.

Und so kommt man dann irgendwann drauf, dass so einige Dinge die man zuhause ganz unbewusst auf- oder (als Voraussetzung für soziales funktionieren) wahrgenommen hat schlicht und einfach nicht im Leben gefußt sind, sondern nur in der persönlichen Realität existieren.

Der Sandhaufen Leben, die Gravitation der eigenen Werte und wie man dann das eigene Verhalten darauf ausrichtet.

Das ist ja die Entwicklung des Menschen:  Vom frisch geborenen Kohlebrocken wird man zum jugendlich ungeschliffenen Diamanten gepresst,und findet dann durch pubertäre Reibung und nachfolgenden erwachsen werdenden Feinschliff irgendwann jene Lücke im Gefüge der Gesellschaft in der man angenehm liegen kann. Wo es nirgends drückt, und man auch andere nicht allzusehr drücken muss. (Das dritte Newton’sche Axiom sagt ja schon “Actio = Reactio”, und es sind genau diese Kräfte, die einen da schleifen oder brechen).

Das Leben als Sandkorn im Haufen Gesellschaft.

Beispiele für solche Sandhaufen und Kontexte sind Schulen, Vereine, Freundeskreise, Universitäten. Gabriel Tarde nennt diese verschiedenen Blickwinkel Monaden. So wie ich die verstehe ist der Mensch die Summe seiner Erfahrungen und Einflüsse und wird durch diese erst zu einer eigenen Entität, die wiederum diese Sandhaufen beeinflusst.

Nimmt man nun ein Korn heraus, und wirft es in einen anderen kulturellen Haufen, so wird es einige Kanten und Ecken verlieren, und im finden des neuen ruhigen Platzes auch erkennen, in welche Richtung es einen in beiden Positionen zieht. Und so wird man, von Ort zu Ort, wohl immer fokussierter und sich seines Selbsts bewusster. Man erfühlt sich jene Dinge, die einem wichtig sind, kommt ihnen auf natürliche Weise und aus ganz eigenem Antrieb immmer näher. Das ist es, was einem der radikale Sprung vom einem Kontext zum nächsten bringt.

Der Sandhaufen Wissenschaft

Und das ist der Grund, warum ich mich dazu entschlossen habe, mich für ein PhD-Studium in England zu bewerben. Denn es war im Prinzip schon immer das wie und warum hinter den Dingen, das mich interessiert. Und das ist, für mich zumindest, der Kern und das Ideal wissenschaftlichen Arbeitens.
Also drückt mir die Daumen!

 

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3 comments

  1. jangojarango

    danke fuer eure Kommentare!
    @stefan vielleicht kann man die “kugel” ja als die summe der zu erwartenden widerstaende sehen, die einen erwarten wenn man seinen Kontext aendert… nur mal so off the top of my head 😉

  2. Stefan Reiter

    gut geschrieben. ich denk aber, dass nicht nur geschliffen und gebrochen wird, sondern sich in entstehenden freiräumen auch wieder neue ecken und kanten bilden können, um beim bild zu bleiben. ansonsten endet die persönliche entwicklung nämlich in einer immer kleiner werdenden kugel…

  3. Eva Miaz

    Sehr nett geschrieben! Freut mich für dich, dass du dort so tolle Erfahrungen machst und dein Umfeld erweiterst 🙂

    Lg und ich drück dir die Daumen,
    Eva

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